Der zweite Parteikongress 1920

In dem folgenden Kapitel beschreibt Stinas sehr gut, das Versagen der KP in der revolutionären Phase in Griechenland. Dies nutzt er, um seine Analyse einer revolutionären Partei zu umreissen. Griechenland stand kurz vor der endgültigen Niederlage im Krieg in Kleinasien, sich verstärkende Arbeiterkämpfe und desertierende Soldaten kündeten vom Überspringen der internationalen revolutionären Welle auf Griechenland.

Eine revolutionäre Partei muss – entsprechend ihres Namens – die Massen und sich selbst auf die unausweisliche revolutionäre Krise vorbereiten. Was war die Politik des Zentralkomitees der KP?

Auf ihrem zweiten Kongress im April 1920, verurteilte und verwarf die Partei die sozialdemokratischen Thesen ihres Gründungskongresses (Volksdemokratie, nationale Verteidigung, Völkerbund), folgt uneingeschränkt der Kommunistischen Internationalen und akzeptiert ihr Programm und ihre Prinzipien. Aber desto näher wir der revolutionären Krise kamen, genau zu den Bedingungen, die den Charakter der Partei und ihre Prinzipien hätte überprüfen können, desto heftiger zertrampelt sie diese mit den Füßen bis zur kompletten Ablehnung des revolutionären Programms.

Anfang Februar 1922 rief das Zentralkomitee eine außerordentliche Konferenz ein. Folgende Auszüge der Resolutionen fassen ihre Stimmung unter den kritischen Bedingungen zusammen. »Die Partei, die durch eine Periode der Organisation und Propaganda geht, benötigt eine lange legale Existenz … Die Intensität der Offensive der Partei darf nicht über die Grenzen des politischen Widerstands der Arbeiterklasse und der allgemeinen Kapazitäten der Bewegung hinausgehen.« In der Sprache des Klassenkampfs heisst das, dass die Partei ihre politischen Aktivitäten in den vom Staat definierten Grenzen hält und keinen Anlass für polizeiliche Verfolgung bietet. Das meint, dass es notwendig ist Arbeiterkämpfe einzudämmen und sie im Rahmen der bürgerlichen Legalität zu bändigen. Und falls, trotz ihrer Bemühungen und guten Intentionen, doch Streiks, Demonstrationen, Zusammenstöße mit der Polizei spontan ausbrechen, falls, ohne ihre Erlaubnis, die Arbeiter die Grenzen der bürgerlichen Legalität brechen sollten, würde dieses die für ihre Existenz notwendigen legalen Bedingungen stören, die Partei müsste sich logischerweise auf die Seite des Rechts und Gesetzes gegen die Störungen »angestiftet von ausserhalb der Klasse stehenden Elemente, wie Abenteurer, Provocateure« stellen usw

Eine solche Theorie hält offensichtlich keiner schweren Prüfung stand und widerspricht der historischen Erfahrung. Nicht nur ist es nicht die Partei, die das Tempo des Klassenkampfes vorgibt, sondern, und das hat fast den Status eines Gesetzes, alle großen Klassenkämpfe in der Geschichte brachen zu einem Zeitpunkt aus, zu dem niemand, Partei oder ein Einzelner, sie erwartet hätten. Außerdem, wer ist in der Lage die Grenzen des politischen Widerstands der Arbeiterklasse zu messen, nach welchen Kriterien? Wenn eine revolutionäre Organisation, ihre Aktivitäten, Propaganda begrenzen muss, liegt es nicht in ihrer Natur und noch weniger kann es die Bedingungen dieser Tätigkeiten fixieren. Der Marsch des Klassenkampfs hat Vorrang vor allem. Sobald sich die Bedingungen ändern, muss die Organisation daher immer bereit sein, von dem Stadium der Propaganda auf das der Agitation und dem unmittelbaren Handeln überzugehen. Nur die Panik, die diese unwahrscheinlich »revolutionären« Führer im Angesicht des nahenden Sturm packte, können diese Resolutionen erklären. weiter auf englisch