Archiv der Kategorie 'Ante Ciliga'

»Lenin auch …«

Im folgenden könnt ihr den bisher auf deutsch nicht verfügbaren Abschnitt über die Diskussionen der linken Kommunisten im Lager Werchne-Uralsk lesen. Dieser wäre nach der Überschrift auf der Seite 119 in der neuen deutschen Ausgabe von Ante Ciliga »Im Land der verwirrenden Lüge« einzufügen.

»Lenin auch …«

Im Gegensatz zur trotzkistischen Opposition, für welche die Lenin’sche Epoche ausserhalb jeder Kritik stand, scheuten die linkskommunistischen Gruppen nicht davor zurück, die gesamte revolutionäre Erfahrung in Russland infrage zu stellen. Alle diese Gruppen waren zwischen 1919 und 1921 in mehr oder weniger scharfer Opposition zu Lenins Politik entstanden. Während meiner Gefangenschaft im »Isolator« von Werchne-Uralsk war Lenins Rolle in der Revolution Gegenstand hitziger Debatten. Die trotzkistische Opposition beharrte darauf, Lenin habe immer recht gehabt. Nach diesem Dogma hatte Trotzki schon vor langem die »Richtigkeit« der Lenin’schen Positionen anerkannt. Darum billigte er auch Sinowjews Vorschlag, ihrer Oppositionsgruppe den Namen »Bolschewisten-Leninisten« zu geben. Später behauptete er sogar, das Konzept der »permanenten Revolution« (wie auch das sämtlicher anderer Konzepte des Trotzkismus, von denen jenes aber das bedeutendste war) stamme ursprünglich gar nicht von ihm, sondern von Lenin selber. Da Lenin die »permanente Revolution« befürwortet habe, seien sämtliche Meinungsverschiedenheiten der beiden lediglich formeller Natur und damit faktisch bedeutungslos gewesen. Grundsätzlich seien Lenin und Trotzki immer einig gewesen, lediglich in Detailfragen habe es Differenzen gegeben.

Durch diese nachträgliche Versöhnung der beiden sowie die Weigerung, ihnen gegenüber einen kritischen Standpunkt einzunehmen, wurden die heftig diskutierten Widersprüche beider Tendenzen überdeckt. Statt einer genauen Untersuchung der Tatsachen, wurde dem stalinistischen Mythos ein weiterer Mythos entgegengesetzt. (mehr…)

Rezensionen von Ante Ciligas Buch

Die Wiederveröffentlichung des Buches »Im Land der verwirrenden Lüge« von Ante Ciliga hat mittlerweile auch die ersten Rezensionen provoziert. Wir können mit vorsichtigem Optimismus feststellen, dass scheinbar »historische« Themen heute wieder aufgegriffen werden. Dahinter steckt kein abstrakt »historisches« Interesse, sondern die Frage der gesellschaftlichen Perspektive – sprich dem Kommunismus. Gerade in dem dunkelsten Kapitel der modernen Menschheitsgeschichte – eingeklemmt zwischen Stalinismus und Faschismus, war das Ringen um revolutionäre Positionen besonderen Prüfungen unterworfen, war doch die revolutionäre Phase um 1917 noch in naher Vergangenheit.

Heute befinden wir uns in einer anderen historischen Phase, die Klassenkämpfe nehmen wieder zu, doch die revolutionäre Perspektive ist noch schwach und bedroht von Illusionen und Konfusionen. Im nächsten Schritt wird hier ein bisher auf deutsch nicht zugängliches Kapitel aus Ante Ciligas Buch veröffentlicht werden, welches die Diskussionen unter den linkskommunistischen Gruppen (Demokratische Zentralisten, Arbeitergruppe, linkstrotzkistische Abspaltungen) in den russischen Lagern nachzeichnet. Ihr Ringen mit Illusionen und Konfusionen ist uns heute immer noch relativ nah.

Danach wird die schrittweise Veröffentlichung von Agis Stinas Memoiren fortgeführt.

Buchbesprechung Ante Ciliga

Auf der Buchvorstellung und Diskussionsveranstaltung zur Wiederauflage des Ante Ciliga Buches waren zu meiner Überraschung ca. 30 Leute. Trotz Abwesenheit von TrotzkistInnen und StalinistInnen wurde sehr kontrovers diskutiert. Zwischen AnarchistInnen, libertären KommunistInnen, RätekommunistInnen, LinkskommunistInnen, InternationalistInnen – welche Selbstzuschreibung oder welches Label auch immer gewählt wird – gibt es offensichtlich noch oder vielleicht eher wieder viel zu diskutieren. Dies sollte ausgebaut werden!

Hier möchte ich auf eine kleine Buchbesprechung hinweisen, eine ausführlichere wird sicherlich noch folgen:


[Anmerkung
: Mittlerweile ist ein ausführlicher Artikel in der Weltrevolution 163 erschienen, der den Schwerpunkt auf die Bedeutung des Buches für die weitere linkskommunistische Diskussion in den ’30ern in Frankreich legt. Sehr lesenswert!]

Ante Ciliga: „Im Land der verwirrenden Lüge“

Die deutsche Ausgabe von Ante Ciligas »Im Land der verwirrenden Lügen« ist endlich wieder aufgelegt worden. Der erste Teil des Buches erschien 1938 in Frankreich mit dem Titel »Au pays du grand mensonge«. Ciliga beschreibt seine Erlebnisse und Beobachtungen von 1926 bis 1933 in Moskau, Leningrad und Werchne-Uralsk. Seinen Weg vom kommunistischen Kader und Ausbilder, zur trotzkistischen Oppositon, von dort in den Knast und ins Lager. Im Lager nahm er aktiv an den Debatten und Aktionen der weit aufgefächerten kommunistischen Oppositon teil. Dieses Buch schlug hohe Wellen in der anti-stalinistischen Linken. (mehr…)

Ante Ciliga: Im Land der verwirrenden Lüge

GenossInnen, zur Erinnerung, diesen Sonntag in Berlin:

Buchvorstellung und Diskussion

Aktualität und Notwendigkeit linker Stalinismuskritik

Wer heute die Frage sozialer Emanzipation aufwirft, kommt um eine Auseinandersetzung mit dem Stalinismus nicht herum. Ante Ciligas »Im Land der verwirrenden Lüge«, dass nun endlich wieder in deutscher Sprache aufgelegt wurde, bietet dies bezüglich einen guten Zugang. Ciliga beschreibt seine Erlebnisse und Beobachtung der sozialen und politischen Verhältnisse in der Sowjetunion, seinen Weg in die trotzkistische Opposition und von dort in die Gefängnisse und Lager, wo er sich weiterhin ungebrochen an den Aktivitäten und Debatten der breit gefächerten kommunistischen Oppositionsgruppen beteiligte. Mit seinem zum ersten Mal 1938 in Frankreich unter dem Titel »Au pays du grand mensonge« erschienen Buch wurde Ciliga gewissermaßen zum Sinnbild der Opposition gegen den Stalinismus und das unter Lenin, Trotzki und Stalin errichtete System des Staatskapitalismus. Heutzutage ist sowohl Ciliga als auch die linkskommunistische Opposition gegen den Stalinismus weitgehend in Vergessenheit geraten. Auf unserer Veranstaltung wollen wir uns mit dem politischen Wirken Ciligas auseinandersetzen, die wichtigsten Protagonisten und Strömungen der kommunistischen Oppositionsgruppen vorstellen und nicht zuletzt über die Aktualität und Notwendigkeit linker Stalinismuskritik heute diskutieren.

Sonntag 3.Oktober 2010 um 17 Uhr
Mehringhof (Blauer Salon)
Gneisenaustr. 2a
U-Bahnhof Mehringdamm (U6/U7)

Ante Ciliga

Das lange vergriffene Buch „Im Land der verwirrenden Lügen“ ist in einer kleinen Auflage endlich noch einmal auf deutsch herausgegeben worden. Ich möchte euch bitten, dieses Buch schnell zu kaufen – der günstige Preis von 12 Euro sollte es allen möglich machen.

„Im Land der verwirrenden Lügen“ ist ein Standardwerk der linkskommunistischen Opposition in Russland, zeichnet bitter von innen die Degeneration in der zweiten Hälfte der 20er Jahre nach und bietet eindrucksvolle Einblicke in die lebhaften oppositionellen Diskussionen in Knast und Lager der 30er. Wer war Ante Ciliga? Sehr empfehlenswert ist auch der Artikel von Philippe Bourrinet.

Die Veröffentlichung 1939 in französischer Sprache machte auf die wenigen noch organisierten Revolutionäre in Europa großen Eindruck und befruchtete die Debatte über den Charakter der Sowjetunion. Den Genossen der RKD ermöglichte es den Bruch mit den Trotzkisten zu vollenden.

Eine ausführlichere Rezension wird hier oder an anderer Stelle folgen.